Immer häufiger entscheiden sich die Unternehmen für ein Telefongespräch als ersten Kennenlernen-Schritt mit dem Bewerber. Manchmal wird dies für den ersten Kontakt vorgezogen, um aufwendige Fahrten zu Bewerbungsgesprächen zu vermeiden. Alternativ werden nun auch digitale Vorstellungsgespräche per Videochat häufiger. Das Telefoninterview ist nur ein erster Schritt und ersetzt nicht das persönliche Vorstellungsgespräch.

Ein Telefoninterview bringt für beide Seiten Vorteile mit sich:

  • es lässt sich kurzfristig arrangieren
  • es entstehen keine Reisekosten
  • Sie erfahren das Ergebnis recht schnell
  • es bietet die Möglichkeit, schnell und einfach abzuschätzen, ob die Partner zueinander passen könnten
  • für das persönliche Vorstellungsgespräch kommen nur die wirklich geeigneten Parteien zusammen
  • der Arbeitgeber macht sich über diesen Weg bereits ein Bild zum Telefonverhalten und zu den Fähigkeiten des potenziellen Mitarbeiters

Ein Telefoninterview bringt sowohl für den Bewerber als auch für den Interviewer einige Besonderheiten und zusätzliche Herausforderungen mit sich. So hat es zahlreiche Vorteile, weil der Gesprächspartner dabei „blind“ ist und von Aussehen, Kleidung, Duft oder Körpersprache nicht abgelenkt wird. Der Nachteil jedoch: Umso entscheidender werden der Gesprächsinhalt und die Stimme.

  • Achten Sie auf eine gute Telefonverbindung und Tonqualität. Ein Gespräch während der Autofahrt über eine Freisprecheinrichtung und potenziellen Funklöchern ist für ein Telefoninterview nicht geeignet.
  • Planen Sie ausreichend Zeit ein. Bei einem 20-minütigen Telefoninterview geht es meist nur um ein paar Basisinformationen zu Ihrer Person, ein paar Rückfragen zum Lebenslauf, eventuelle Lücken, die geklärt werden sollen. Wurde jedoch eine Gesprächsdauer von einer Stunde oder gar länger vereinbart, sollten Sie mit tiefergehenden Fragen rechnen und sich wie auf ein umfassendes Vorstellungsgespräch vorbereiten. Erwarten Sie Fragen zu Ihrer Persönlichkeit, zu Ihren Plänen und Zielen und informieren Sie sich gut im Vorfeld, so dass Sie Ihrerseits Rückfragen zum Unternehmen und zur Position stellen können.
  • Schalten Sie Nebengeräusche ab. Sorgen Sie dafür, dass Sie sich in einer ruhigen Umgebung befinden und Sie nicht gestört werden. Schließen Sie die Tür, schalten Sie Fernseher, Musikanlage bzw. Radio und Handy aus. Sollte Ihr PC vor Ihnen eingeschaltet sein, so stellen Sie Benachrichtigungen zu eingehenden E-Mails auf lautlos und versetzen Sie den Monitor in Stand-by.
  • Ablenkung verhindern. Eigentlich selbstverständlich und doch oft nicht beachtet: Während des Telefonats nicht essen, Kaugummikauen, rauchen, am Laptop tippen oder fernsehen. (Zweit-)Handy ausschalten nicht vergessen. Und sagen Sie Ihrer Familie oder Ihren Mitbewohnern Bescheid, damit Sie wirklich ungestört sind.
  • Halten Sie Stift und Papier bereit. Machen Sie sich Notizen zu den besprochenen Themen auch für eventuelle Rückfragen. Möglicherweise werden Ihnen ähnliche Fragen in einem persönlichen Gespräch noch einmal gestellt, so sind Sie gut darauf vorbereitet.
  • Bereiten Sie, wie bei einem klassischen Vorstellungsgespräch, Ihre Fragen an den Gesprächspartner vor. Schreiben Sie diese auf und legen sie griffbereit neben sich.
  • Kennen Sie Ihren Lebenslauf und die Stellenbeschreibung. Überlegen Sie im Voraus, wonach Sie im Gespräch gefragt werden könnten, z.B. zur persönlichen Motivation für die Bewerbung, Ihre Ausbildung, berufliche Laufbahn oder Berufserfahrung. Ihr Gesprächspartner wird versuchen, Sie und Ihre Fähigkeiten mit der Stellenbeschreibung und den daran geknüpften Anforderungen abzugleichen. Legen Sie beides ausgedruckt vor sich hin.
  • Lächeln Sie! Auch wenn niemand Sie sehen kann, hilft Ihnen ein Lächeln dabei, sich zu entspannen und positiv zu klingen.
  • Achten Sie auf Ihre Körperhaltung. Es geht jetzt nicht nur darum WAS Sie jetzt sagen, sondern vor allem WIE Sie es sagen. Eine klare Körperhaltung auch am Telefon verleiht Ihrer Stimme Sicherheit. Für manche Menschen ist es angenehmer, im Stehen oder Gehen zu telefonieren. Wählen Sie die Position, die Ihnen das freie, sichere Sprechen erleichtert. Wenn Sie im Jogginganzug liegend auf dem Sofa ein wichtiges Gespräch führen, dann können Sie sich ziemlich sicher sein, dass Ihr Gesprächspartner ein gewisses Desinteresse spüren wird. Die gelöste Atmosphäre kann zu einer laxen Haltung und Sprache führen – fatal für den ersten Eindruck!
  • Tragen Sie Berufskleidung. Unser Outfit beeinflusst nicht nur, wie andere uns wahrnehmen, sondern auch unsere eigene Wahrnehmung. Passend gekleidet fühlen wir uns selbstsicher und kompetent. Daher hilft es durchaus beim Telefoninterview die gleiche Kleidung zu tragen, wie im Berufsleben. Glauben Sie mir, geschulte Interviewer hören am Telefon mehr raus, als Sie denken.
  • Informieren Sie sich vorab über Ihren Gesprächspartner, wenn Sie seinen Namen kennen. Informieren Sie sich in Social Media Kanälen, wie XING, LinkedIn bzw. Instagram, YouTube usw. über ihn. So nehmen Sie ihm den Schleier des Unbekannten und können vielleicht sogar auf eine Sache persönlich Bezug nehmen.
  • Antworten Sie zuversichtlich. Schon die Art, wie Sie antworten, beeinflusst den Anrufer. Sprechen Sie klar, deutlich und selbstbewusst. Fehlendes Vertrauen in der Sprechstimme lässt sich durch andere Vorzüge nicht wettmachen. Atmung, Lautstärke und vor allem Tempo regulieren – die meisten Menschen sprechen bei Nervosität zu schnell. Was immer hilft: aufstehen und einen festen Stand einnehmen. Tief in den Bauch atmen, die Brustatmung allein ist zu flach.
  • Pausen akzeptieren. Wie beim Smalltalk gilt: Kurze Pausen im Gespräch gehören dazu. Nutzen Sie die Sekunden, um Ihre Gedanken zu sammeln und Gesagtes zu bedenken. Bloß nicht versuchen, stille Zeit zu zutexten. Vermeiden Sie „Hms“, „Ähms“ und unabsichtliche Unterbrechungen. Wenn Sie einen Moment brauchen, um Ihre Gedanken zu ordnen, bitten Sie ruhig um etwas Zeit, bevor Sie antworten.
  • Positiver Abschluss. Bedanken Sie sich beim Anrufer, dass er sich die Zeit für das Gespräch genommen hat und bringen Sie Ihr Interesse für die Anstellung zum Ausdruck. Merken Sie sich den Namen des Interviewers und sprechen Sie ihn damit an. Das gilt besonders für den Abschied: „Herr/Frau …, danke für das positive/informative/freundliche Gespräch!“ Fragen Sie ruhig nach dem nächsten Schritt des Bewerbungsverlaufs.

So machen Sie einen guten ersten Eindruck und die Chancen für ein persönliches Gespräch steigen. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg!

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