Willkommen an Bord – Erfolgreich starten im neuen Job

Mein Glückwusch! Die Verträge sind unterschrieben und Sie haben den Job in der Tasche – die erste Hürde ist mit Bravour genommen. Das Bewerbungsverfahren geht für Sie dennoch eine ganze Weile weiter. Denn: Beinahe jedes Arbeitsverhältnis beginnt mit einer Probezeit. Damit Sie von Anfang an Fehltritte vermeiden, müssen Sie sich auf die Probezeit gründlich vorbereiten. Nur im Erfolgsfall dürfen Sie im Firmenorchester länger mitspielen und vielleicht einmal die erste Geige übernehmen. Viele Fehler lassen sich in der Probezeit vermeiden, wenn man weiß, worauf zu achten ist.

Mental vorbereiten

Ihr erfolgreicher Einstieg in einen neuen Job hängt wesentlich von Ihrer inneren Einstellung ab. Da man sich für Sie entschieden hat, bringen Sie offenbar die notwendigen Voraussetzungen mit, um sich Ihrer neuen Aufgabe selbstbewusst stellen zu können. Machen Sie sich jedoch bewusst, dass die berufliche Realität stark von Ihren Vorstellungen abweichen kann. Um den so genannten „Praxisschock“ zu vermeiden, sollten Sie sich gerade in den ersten Wochen als „Lernender“ begreifen, ganz gleich, wie viel Berufserfahrung Sie bereits mitbringen. Ungeachtet Ihrer hierarchischen Position sind Sie vorerst auf die Hilfestellung und Hinweise Ihrer Vorgesetzten und Kollegen angewiesen. Sie müssen bereit sein, sich „belehren“ zu lassen. Denn nur so können Sie sich rasch und umfassend mit neuen Aufgaben, dem neuen Umfeld und den neuen Strukturen vertraut machen. „Annehmen“, „zuhören“ und auch „hinnehmen“ sind für Jobstarter in der Probezeit daher unverzichtbare Vokabeln.

Sachkenntnis

Informieren Sie sich ausführlich über Ihren neuen Arbeitgeber. Womöglich haben Sie schon einige Firmenprospekte oder Geschäftsberichte erhalten oder besser erbeten, die Sie vor Ihrem offiziellen Start auch tatsächlich studieren sollen. Das Internet bietet zudem vielfache Recherchemöglichkeiten an. Alle Fakten, die Sie auch ohne nachfragen Ihrerseits kennen, erleichtern Ihnen den Einstieg. Wer die wichtigsten Personen im Unternehmen sind und andere öffentlich zugänglichen Details wird man von einem motivierten Mitarbeiter sicherlich erwarten. Auch hier ist „Wissen Macht“. Informieren Sie sich vor der Probezeit ausführlich, um gut gerüstet zu sein und nicht jedes einzelne Detail erfragen zu müssen. Selbst der auskunftsfreudigste Kollege kann bei zu vielen und zu simplen Fragen leicht ungeduldig werden.

Strukturen erforschen

Ob man Sie am neuen Arbeitsplatz akzeptiert und willkommen heißt, hängt von Ihrer Fähigkeit ab, sich in bestehende Strukturen zu integrieren. Ihre Kollegen und Vorgesetzten wollen Sie rasch als Bereicherung für das Team und das Unternehmen wahrnehmen. In der Probezeit sind deshalb Ihre kommunikativen Fähigkeiten, Beobachtungs- und Auffassungsgabe sowie Ihre sozialen Kompetenzen besonders gefordert. Sie müssen viele unbekannte Zusammenhänge rasch verstehen und sich einprägen. Manche Arbeitsabläufe müssen Sie sich selbstständig erschließen, denn selbst eine sorgfältige Einarbeitung kann nicht alle Details klären. Beobachten Sie deshalb von Anfang an akribisch die Arbeitsabläufe in Ihrer Abteilung. Zudem sollten Sie Ihr personelles Umfeld erforschen. Jedes Team, jede Abteilung verfügt über eine interne Struktur und ein eigenes Beziehungsgeflecht. Besonders wichtig sind Namen und Ansprechpartner, die Sie sich sehr genau merken sollten. Es gibt Kollegen, die gut und gern erklären, andere fühlen sich schnell bei der Arbeit gestört. Strecken Sie Ihre Fühler aus. Nur mit viel Sensibilität und „offenen Ohren“ können Sie die Signale wahrnehmen, die Ihnen die Integration in Ihren neuen Arbeitsalltag erleichtern.

Unternehmenskultur beachten

Jede Firma besitzt zudem ihre eigene Unternehmenskultur. Lernen Sie zunächst die offiziellen Leitlinien, aber auch die ungeschriebenen Gesetze Ihres neuen Arbeitsumfeldes kennen. In einem weltweit agierenden Konzern herrschen andere Regelungen und Umgangsformen als in einem mittelständischen Betrieb oder gar in einem kleinen Familienunternehmen.

In der Praxis überzeugen

Den positiven Eindruck, den Sie im Auswahlverfahren hinterlassen haben, müssen Sie nun in der täglichen Praxis erfolgreich bestätigen. Sie treffen auf konkrete Arbeitssituationen, in denen Sie Ihr tatsächliches Können und Ihren Arbeits- und Kommunikationsstil unter Beweis stellen dürfen. In einem breiteren Umfeld werden Sie kritisch von allen Mitarbeitern geprüft. Vor allem geht es dabei um Ihre Selbstpräsentation. Wie ist der neue Kollege? Nett und umgänglich? Hält er, was er verspricht? Passt er ins Team?

Gerade in den ersten Monaten lauern im neuen Arbeitsumfeld zahlreiche Stolpersteine und Fettnäpfchen auf Sie, die über
Ihre berufliche Zukunft entscheiden können. Damit Sie diese zweite Prüfung erfolgreich bestehen, sollten Sie sich mit der
neuen Lebenssituation intensiv auseinandersetzen und gut vorbereiten. Natürlich stellen nicht nur Sie sich, sondern auch
das Unternehmen dem Praxistest. Folgende Verhaltensregeln sind auf jeder neuen Arbeitsstelle angebracht:

  • Mit fast keiner Eigenschaft gewinnen Sie mehr Menschen für sich, als mit natürlicher Freundlichkeit. Seien Sie daher zu jedem Mitarbeiter höflich und freundlich.
  • Aktiv zuhören und Interesse zeigen. Signalisieren Sie Ihren Kollegen und Vorgesetzten gegenüber Aufnahmebereitschaft und Interesse. Überprüfen Sie Ihren Kommunikationsstil und suchen Sie ein konstruktives Feedback.
  • Kritikfähig sein. Bedenken Sie, dass auch Kritik und Belehrung natürliche Bestandteile des Eingliederungsprozesses sind. Aus jeder Kritik können Sie lernen.
  • Gezielt beobachten. Verfolgen Sie die Arbeitsabläufe in Ihrem Umfeld. Finden Sie heraus, wie kommuniziert wird und was von Ihnen erwartet wird.
  • Gezielt fragen. Wenn Sie zu häufig Fragen stellen, wird dies entweder als Zeichen von Inkompetenz und/oder Ausdruck eines mangelnden Selbstbewusstseins gewertet. Der völlige Verzicht auf Nachfragen birgt jedoch noch mehr Risikofaktoren: Sie machen vermeidbare Fehler – und werden als selbstherrlich und überheblich empfunden. Faustregel: Zunächst selbst überlegen, erst dann nachfragen.
  • Auf indirekte Botschaften achten. Kommunikation findet auf vielen Ebenen statt. Versuchen Sie, indirekte Aussagen wahrzunehmen und entsprechend zu reagieren.
  • Zurückhaltung und Bescheidenheit. Auch wenn Sie ein ausgesprochener Experte auf Ihrem Gebiet sind: Nehmen Sie Ratschläge und Hinweise Ihrer „alteingesessenen“ Kollegen ernst, andernfalls stören Sie das Klima in der Abteilung. Genauso negativ wirkt „Reformeifer“ in der Probezeit. Mit ungewünschten innovativen Ideen und verfrühten Visionen sollten Sie sich gerade am Anfang zurückhalten. Stellen Sie Ihre Vorschläge besser erst nach Aufforderung oder später zur Diskussion.
  • Nichts versprechen. Viele Kollegen haben oft eine genaue Vorstellung davon, was der oder die Neue leisten soll. Das sind häufig Wünsche, Hoffnungen oder Ideen – zuweilen sogar irrationale – jedoch sind es keine Aufgaben, die es sofort zu lösen gilt. Es wäre daher unklug, bei Amtsantritt gleich Versprechungen zu machen, die später, aufgrund der bisher vielleicht unbekannten Unternehmenspolitik und -kultur, nicht eingehalten werden können. Das verursacht nur Enttäuschungen und provoziert den eigenen Imageverlust – ohne Not.
  • Beurteilungsgespräche führen. Sollte es kein spezielles Einarbeitungsprogramm für Neue in Ihrer Firma geben, bitten Sie um einen Paten, dem Sie Ihre Fragen stellen können. Mit Ihren Vorgesetzten sollten Sie im ersten halben Jahr regelmäßig Beurteilungsgespräche führen.
  • Beziehungen entwickeln. Keiner kann auf Anhieb alles alleine schaffen. Noch dazu müssen manche Jobwechsler gar mit Widerständen rechnen, zum Beispiel von übergangenen Konkurrenten. Sei es das Erbe des Vorgängers, enttäuschte Mitbewerber oder informelle Führer – fast immer stolpern allzu forsche Neueinsteiger darüber, dass sie nicht rechtzeitig ein persönliches Beziehungsnetz aufgebaut haben – und zwar bevor sie richtig loslegen. Deswegen sollten Sie beispielsweise ein gemeinsames Mittagessen zum Gespräch nutzen sowie offen Interesse an Ihren neuen Kollegen zeigen.
  • Nicht gleich „loskumpeln“ („Hi Leute, ich bin übrigens die Biggi“), sondern mit vollem Namen vorstellen und erst mal herausfinden, wie der Ton im Unternehmen ist, wer wen duzt beziehungsweise siezt.
  • Es kann nicht schaden, sich Notizen zu machen, wenn man vom Kollegen das Mail-Programm oder Ähnliches erklärt bekommt – es kommt nämlich nicht so gut, zwei Monate später immer noch verzweifelt mehrmals täglich bei der IT-Crew anzurufen, weil schon wieder eine E-Mail verschollen ist.
  • So ein Büro oder ein Team ist ein unübersichtliches Knäuel aus Seilschaften, kleinen Intrigen, großen Enttäuschungen, offenen Sympathien und geheimen Rivalitäten. Da sollte man nicht voreilig hineingeraten oder sich aus Versehen schon positionieren, bevor man überhaupt weiß, was läuft – also erst mal nett sein zu allen und auf keinen Fall bei Lästereien mitmachen. Vorsicht auch bei Kollegen, die sie zu sehr vereinnahmen. Nutzen Sie die Mittagspause, um immer mal mit unterschiedlichen Menschen in Kontakt zu kommen.
  • Fehler passieren in der Anfangszeit: Stehen Sie offen dazu, anstatt sie unter den Teppich zu kehren und zu hoffen, dass es keiner merkt. Bieten Sie auch Ihre Hilfe an, falls es jemand anders ausbaden muss.
  • Wenn Sie den Einstand feiern möchten, übertreiben Sie nicht und stellen womöglich das 50. Dienstjubiläum vom Seniorchef mittels Schokobrunnen, Karaokemaschine und Sektpyramide in den Schatten. Weniger ist mehr.
  • Nicht in alten Zeiten schwelgen: „Also wir bei xy haben das ja immer so gemacht…“
  • Nicht die alten Zeiten schlecht machen: „Puh, ich bin ja echt froh, dass ich endlich da weg bin…“
  • Nicht gleich am Anfang übereifrig wirken: „Och, ich bleib noch ein, zwei Stündchen, schönen Abend!“ oder „Das ist doch schon längst überholt, ich hätte da voll die gute Idee…“ – übermäßiger Tatendrang macht einen schnell zum Streber und schafft argwöhnische Kollegen. Halten Sie sich auch an Ihre Aufgaben. Wenn diese erledigt sind und dann wirklich noch Zeit bleibt, dann können Sie sich mit Ihrem Vorgesetzten abstimmen. Es gibt jedoch nichts Schlimmeres, als Aufgaben anderer zu übernehmen und die eigenen nicht zu schaffen.
  • Nicht gleich am Anfang aus dem privaten Nähkästchen plaudern: In den ersten Tagen über den aktuellen Beziehungsstatus, Erziehungsprobleme mit dem kleinen Rotzlöffel oder Migräneprobleme zu informieren, schafft womöglich eine unangemessene Nähe.
  • Leerlauf ertragen: Es kann sein, dass die ersten Tage etwas zäh laufen, wenn erst ein E-Mail-Account eingerichtet oder überhaupt ein funktionierender Dienstrechner aufgetrieben werden muss … Bleiben Sie entspannt, nutzen Sie die Zeit, um zu beobachten und die Strukturen kennenzulernen. Anstrengend wird es noch früh genug.
  • Legen Sie sich eine kleine Selbstpräsentation zurecht – es kann gut sein, dass man am ersten Tag oder beim ersten Teammeeting aufgefordert wird, sich kurz vorzustellen. Da wäre es schön, wenn Sie außer Ihren Namen zu nennen in Kurzform berichten, was Sie vorher gemacht haben und warum Sie sich auf den neuen Job freuen.

„Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“
  Henry Ford

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